FinTech: Investieren Sie schon heute in die Zukunft!

14.05.2018 um 13:52 Uhr

Mobile- und Internet-Payment, cloudbasierte Bankservices, p2p-Kredite und Roboter, die sich auf Kapitalverwaltung spezialisieren – all diese Tendenzen sind im modernen Leben bereits vorhanden und dürften sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. FinTechs sind Konzerne, die genau hinter dieser Entwicklung stehen und mit ihrer Kreativität und neuen Technologien den Übergang zu einer völlig digitalisierten und cloudbasierten Ökonomie beschleunigen.

Online-Banken, private Kreditgemeinschaften im Internet, die außerhalb des klassischen Bankensystems operieren, sowie robotisierte Lösungen zur Kapitalverwaltung sind nur wenige Beispiele dafür, wie sich das klassische Finanzsystem ändert und schon bald in der gewöhnlichen Form von physischen Bankfilialen und Papiergeld völlig verschwinden könnte. Katalysiert wird diese Entwicklung durch das große Interesse von Investoren, die mit dem Anfang der Digitalisierung enorme Summen in die Entwicklung entsprechender Finanz-Technologien investieren. 2014 lag diese Summe bei etwa 10 Mrd. USD und erhöhte sich im vergangenen Jahr auf 30 Mrd. USD. Für 2020 rechnet Statista bereits mit einem Investitionsvolumen von rund 46 Mrd. USD, was früher oder später in einer Wachstumsbeschleunigung münden dürfte.

Sollte das Wachstumstempo kontinuierlich bleiben, so wäre es möglich, dass wir in der kommenden Dekade eine Evolution der modernen Finanzindustrie erleben werden, vor der sich mehr als 85 % der Vertreter der klassischer Banken-, Versicherungs- und Payment-Segmente fürchten. Morgan Stanley und McKinsey gehen davon aus, dass dieser Industriezweig in den nächsten vier Jahren mit einem beständigen Wachstum von etwa 22 % p. a. glänzen wird, weswegen die TrendScout-Redaktion schon jetzt dieses spannende Investment-, aber auch Trading-Thema aufgreift, um sich die kommende Entwicklung aus der globalen Perspektive anzuschauen und mögliche Topplayer zu identifizieren.

Der geographische Faktor

In Bezug auf Finanztechnologien spielt der geographische Faktor eine wichtige Rolle. Einerseits ist da die trendspezifische Tatsache, dass Menschen in aufstrebenden Ökonomien einen deutlich niedrigeren Wohlstand aufweisen und daher klassische Bankinstitute, Kreditgeber und Versicherungsgeschäfte in Finanzfragen verstärkt meiden. Andererseits ist da der technologische Fortschritt und die globale Internetverbreitung, die für eine größere technologische Reichweite und intensivere Marktdurchdringung sorgen. So neigen Menschen in den ärmeren Regionen der Welt, die nicht über die notwendige Kreditwürdigkeit verfügen, verstärkt dazu, Finanzservices via Apps über das Smartphone abzurufen, was aber auch angesichts eines lästigen Bankbesuchs samt eines weniger erfreulichen Mitarbeitergesprächs eine willkommene Alternative bietet.

Aus diesem Grund finden sich die meisten Fintech-Startups aktuell in China und Indien, wo der Bedarf an simplen Finanzservices angesichts des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs und des steigenden Wohlstands kontinuierlich zunimmt. China ist dabei der größte Fintech-Markt, wobei sich unter den Top 10 der größten und erfolgreichsten Fintech-Konzerne gleich fünf Unternehmen aus China, drei US-Konzerne und jeweils ein Vertreter aus Großbritannien und Deutschland befinden.

Indien stellt dagegen das perspektivenreichste Land dar. 2017 haben rund 8 % der indischen Bevölkerung Digital-Payment-Services benutzt, während in anderen aufstrebenden Ökonomien wie Brasilien, Südafrika und Russland der Prozentsatz bei 30 %, 27 % und 16 % lag. Damit ist hier angesichts der intensiveren Internetdurchdringung ein enormes Wachstumspotenzial vorhanden. Morgan Stanley rechnet für die nächsten zehn Jahre mit einer Vervierfachung des Prozentsatzes auf 26 %, weswegen wir uns den indischen Markt in den kommenden TrendScout-Ausgaben schon bald etwas genauer anschauen werden.

Welche Fintech-Arten gib es …

… und wie man diese Trendrichtung erfolgreich spielen könnte. Im Großen und Ganzen lassen sich alle Finanztechnologien in die drei großen Kategorien Banking-, Versicherungs- und Investmentservices einteilen. Gleichzeitig umfassen sie alle anderen Trendbereiche von Mobile-Payments über Crowdfunding bis hin zu den Kryptowährungen, die auf die eine oder andere Art und Weise die globale Finanzwelt tangieren.

Sehr erfolgreich entwickelt sich dabei das Trendsegment rund um p2p-Kredite. Darunter versteht man einen Kreditprozess von einem Menschen zum anderen, der außerhalb des klassischen Bankensystems stattfindet, einfach ist und gleichzeitig sehr schöne Vorteile bietet. Die Zinshöhen sind hier niedriger, die Abwicklung ist schnell und mit nur wenigen Klicks durchführbar. Dabei reicht in der in der Regel eine niedrigere Kreditwürdigkeit vollkommen aus und das Geld wird nach der Genehmigung innerhalb weniger Stunden auf die jeweilige Kreditkarte oder ein internetbasiertes Konto überwiesen. Dazu gewinnt dieser Service infolge der steigenden Popularität von sog. Mikrokrediten immer mehr an ökonomischer Bedeutung und Transaktionsvolumen. Laut Statista betrug die Marktgröße 2015 rund 64 Mrd. USD. Bis 2024 rechnen die Analysten aber mit einem kontinuierlichen Wachstum auf bis zu 1. Bio. USD. Daher ist es auch kein Wunder, dass 32 der 100 größten Fintech-Konzerne genau aus diesem Trendsegment kommen.

Der chinesische Marktführer ist der 2014 gegründete chinesische Mobile-Kreditprovider Qudian (QD), der ein jährliches Kreditvolumen von etwa 12 Mrd. USD verwaltet und somit rund 12,5 % des gesamten chinesischen Marktes kontrolliert. In den USA ist es das 2007 gegründete Unternehmen LendingClub (LC), das ein jährliches Kreditvolumen von etwa 30 Mrd. USD verwaltet und kontrolliert und somit rund 45 % des US-amerikanischen p2p-Marktes. Sowohl Qudian- als auch LendingClub-Aktien wurden in den vergangenen Jahren stark abgestraft und abverkauft, was auf die überhöhten Erwartungen der Wallstreet zurückzuführen ist. Ein weiterer belastender Faktor liegt in der Regelkonformität, weswegen immer häufiger eine Diskussion aufflammt, ob man das außerhalb des klassischen Bankensystems stattfindende Kreditgeschäft unter staatliche Kontrolle bringen sollte. Grundsätzlich bleibt die Wachstumsdynamik in diesem Trendsegment aber weiterhin positiv, was man anhand der starken Entwicklung kleinerer Marktteilnehmer wie LendingTree (TREE) oder dem chinesischen Yirendai (YRD) beobachten kann.

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Eine weitere, sehr perspektivenreiche und gleichzeitig zweitgrößte Trendrichtung sind die sogenannte Payment-Services. In diesem Fall handelt es sich um Operationen, bei denen man als Konsument die Geldüberweisung mithilfe eines internetbasierten Dienstleisters initiiert, anstatt sein eigenes Bankkonto oder eine Kreditkarte direkt zu involvieren. Hier sind 21 der 100 größten Fintech-Konzerne angesiedelt. Das globale Transaktionsvolumen in diesem Segment lag 2016 bei rund 620 Mrd. USD und dürfte sich laut Statista bis 2020 auf bis zu 1 Bio. USD erhöhen.

Der unangefochtene Marktführer in diesem Segment ist natürlich PayPal (PYPL) – einer der ersten Payment-Provider – der 1998, ganz am Anfang der Internetepoche gegründet wurde. Der chinesische Markt entwickelt sich in dieser Hinsicht deutlich dynamischer. Als Wachstumstreiber fungiert hier im weiten Sinne die Globalisierung, die im Großen und Ganzen zum Aufschwung der chinesischen Wirtschaft führt. Folglich wächst die chinesische Mittelschicht, die dank dem steigenden Wohlstand immer größere Konsumwünsche verspürt. Katalysiert wird diese Entwicklung durch die aufgeschlossene Art der chinesischen Gesellschaft gegenüber den neuen Technologien wie bspw. Mobile-Payment, denen viele Europäer aufgrund möglicher Probleme und der Datensicherheit ein großes Maß an Mistrauen entgegenbringen. Eine wichtige Rolle spielt auch die protektionistische Politik der chinesischen Regierung, die den zahlreichen westlichen Firmen den Zugang zum chinesischen Markt erschwert. Der chinesische Marktführer ist Ant Holding, Inhaber von AliPay, der zu dem chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba (BABA) gehört. Dabei werden rund 55 % aller Transaktionen in China über AliPay abgewickelt. Eine wichtige Rolle spielt der Aufschwung des E-Commerce im Reich der Mitte, zumal immer mehr abgelegene Wirtschaftsregionen an das globale Handels- und Payment-Netzwerk angeschlossen werden.


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Ein weiterer wichtiger Player im chinesischen Segment wäre natürlich das Technologiekonglomerat Tencent (TCEHY). Mit Tencent Pay und WeChat Pay ist man auch im chinesischen Online-Zahlungsmarkt aktiv. Und der Service gewinnt immer mehr an Popularität. Mittlerweile hat man mehr als 600 Millionen zahlende Nutzer in China und das Transaktionsvolumen nimmt kontinuierlich zu. Diese Aktie eignet sich hervorragend für risikoscheue Investoren, die dennoch ein breites Spektrum an zukünftigen Trends in einem Wachstumsmarkt spielen wollen, denn sowohl mit Tencent als auch mit Alibaba lassen sich aufkommende Trends wie E-Commerce, Gaming, Social Media, KI, oder auch Cloudservices tangieren.

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Konservative Anleger sollten dagegen verstärkt in Richtung etablierte Kreditkartenanbieter wie MasterCard (MA) und Visa (V) schauen. Beide Unternehmen haben ungeachtet ihrer Größe ihre Innovationsstärke und Wachstumspotenziale nicht verloren und versuchen mit der Entwicklung neuer Services den aktuellen Herausforderungen innerhalb des Payment-Trends zu begegnen. Verstärkt forciert wird hier die Entwicklung rund um die Fintech-Lösungen MasterPass und Visa Checkout. Das zukünftige Wachstum dürfte hier auch mithilfe von Übernahmen gesichert werden. Gleichzeitig zahlen beide Konzerne stabile Dividendenrendite in Höhe von etwa 1 % pro Jahr.

Deutlich ambitionierter ist dagegen das relativ junge Unternehmen Square (SQ) – ein US-amerikanischer Anbieter von Payment-Processing-Lösungen. Das Hauptprodukt ist Square Register, eine cloudbasierte CardReader-Plattform, mit deren Hilfe besonders kleinere und mittlere Unternehmen ihre Zahlungen schnell, einfach und intuitiv abwickeln und verfolgen können. Als Payment-Provider profitiert der Konzern vom weltweit steigenden, bargeldlosen Zahlungsverkehr und den neuen Trends rund um Mobile-Payment-Processing. Hinzu kommt die Wachstumsfantasie aufgrund der neuen Cash-App, die schon jetzt den Erwerb von Bitcoins erlaubt.

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Abschließend werfen wir einen Blick auf eine etwas spezifischere Trendrichtung, die gerade erst an Popularität gewinnt, aber schon bald von einem richtigen Hype erfasst werden könnte. Die Rede ist von Roboter Advisor. In diesem Fintech-Bereich fassen wir alle Möglichkeiten zusammen, bei denen eine künstliche Intelligenz die Verwaltung vom Kapital übernimmt. Das einzige, worauf der Mensch hier noch einen Einfluss hat, ist der anfängliche Kriterien-Input, bei dem die Dauer, die erwartete Investitionsrentabilität sowie das zulässige Risiko bestimmt werden. In späteren Schritten übernimmt die Software die Kontrolle und verwaltet entsprechend der globalen Marktsituation das anvertraute Kapital mit der maximalen Effektivität. Die Vorteile dieser Herangehensweise liegen auf der Hand. Einerseits werden die Verwaltungskosten stark minimiert, andererseits eliminiert man damit den menschlichen Faktor völlig und somit das Risiko eines emotionalen Verhaltens. Laut Statista verwalten KI-Roboter aktuell etwa 225 Mrd. USD. Bis 2020 erwartet man hier aber dank dem technologischen Fortschritt im KI-Bereich ein explosives Wachstum auf etwa 3,7 Bio. USD, wobei sich das Geldvolumen bis 2025 auf 16,3 Bio. USD erhöhen dürfte. Marktleader wären hier US-amerikanische Vermögensverwalter wie Vanguard, Schwab und Betterment. Im chinesischen Segment ist es die Online-Plattform Lufax, die mittlerweile über 33 Millionen registrierter Nutzer verfügt und rund 77,3 Mrd. USD verwaltet. Dabei plant die 2011 gegründete p2p-Onlinebank, bereits in diesem April ein IPO in Hong Kong durchzuführen.

Viel Erfolg und seien Sie profitabel!

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