Trendstabile Aktien Europas - Warum sich der Blick über den Tellerrand lohnt!

21.08.2018 um 10:02 Uhr

In dieser Ausgabe des TrendScouts betrachten wir eine Trendentwicklung durch das Prisma der Trendstabilität. Auf diese Weise erhalten wir eine vollkommen intakte, fundamentale Trendentwicklung, die durch langfristige charttechnische Trendstabilität bestätigt wird. Gleichzeitig eliminiert werden unerwünschte Effekte, wie z. B. politisch bedingte Volatilität, die z. B. von Tweets des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump katalysiert wird. Wir konzentrieren uns auf Unternehmensperformance und das stabile mehrjährige Verhalten der Aktie.  Im Vordergrund steht die Disziplin des Trendfolge-Tradings, die wie kaum eine andere Trading-Art eine nachvollziehbare und sachlogische Fundierung besitzt und die emotionale Komponente weitestgehend eliminiert.

Die wichtigste These, die in diesem Zusammenhang gespielt wird lautet, dass wirtschaftlicher Erfolg keine zufällige Sache ist, sondern die Folge richtiger und profitabler Unternehmensführung, die sich über Jahre hinweg in kontinuierlich steigenden Umsätzen und Gewinnen widerspiegelt. Unternehmen, die in dieser Weise erfolgreich sind, dominieren ihre Märkte oft über Jahrzehnte hinweg, was im kontinuierlichen Aufwärtstrend ihrer Aktien mündet. Daher der Begriff charttechnischer Trendstabilität, der sich aus Trendstärke geteilt durch Volatilität auf Jahressicht ergibt.

Kennzeichnend für die anhaltend starke Wachstumsdynamik eines Konzerns ist seine Positionierung, die in manchen Fällen ein Burggraben-Charakter aufweist. Solche Konzerne sind meistens groß und sehr konservativ in ihrer Unternehmenspolitik, primär an die Verteidigung der bereits erlangten Marktposition ausgelegt. Gefährliche Konkurrenten oder vielversprechende Startups werden rechtzeitig übernommen und in die eigene Konzernstruktur integriert, womit man seine Burggraben-Expertise auf innovative Art und Weise verstärkt.  

Ein gutes Beispiel ist die Aktie des mit rund 12,32 Mrd. CHF kapitalisierten schweizerischen Konzerns Straumann Holdings. Das Unternehmen ist ein Medizintechnikspezialist, der sich dank seiner Fokussierung auf dentale Implantologie, Zahnerhaltung sowie regenerative Zahnmedizin mittlerweile zu einem weltweit führenden Konzern im Bereich der Medizinästhetik gemeißelt hat. Das umfassende Produktportfolio sowie die damit verbundenen Dienstleistungen werden in mehr als 100 Ländern der Welt über eigene Vertriebsgesellschaften und ein breites Netz von Vertriebsunternehmen angeboten. Und das zukünftige Wachstum wird durch Übernahmen perspektivenreicher Konzerne wie z. B. ClearCorrect, einem US-amerikanischen Anbieter transparenter Aligner-Lösungen, oder das portugiesische Unternehmen Same Day Solutions (SDS) forciert. Damit erweitert man lukrativ das eigene Produktportfolio um hochmargige Produkte wie unsichtbare Zahnspangen und kann den regionalen Vertrieb in Ländern wie z. B. Portugal zusätzlich verstärken.  

Noch interessanter sind Unternehmen, die sich im Rahmen eines Zukunftstrends positioniert haben und nun mit diesem organisch wachsen können, da ihre relativ neue Expertise trendbedingt immer intensiver nachgefragt wird. Und genau aus diesem Grund gehören die Aktien von Wirecard und Temenos zu den beiden trendstabilsten Werten Europas. Beide Unternehmen sind FinTech-Konzerne und profitieren dank der umfassenden und weiterhin zunehmenden Digitalisierung von dem Wandel, der immer stärker Finanzdienstleister und Handelsorganisationen erfasst. Wirecard profitiert als Zahlungsabwickler von der Nachfrage nach smarten Zahlungsmethoden. Das Unternehmen ist einer der führenden internationalen Anbieter elektronischer Zahlungs- und Risikomanagementlösungen und bedient bereits mehr als 34.000 Kunden bei der Automatisierung ihrer Zahlungsprozesse. Das Produktportfolio wird zeitgemäß um innovative Payment-Technologien erweitert. Gleichzeitig entwickelt man individualisierte Lösungen für Handel, Service und Banken, was in einer unelastischen Nachfrage mündet. Dieser Umstand spiegelte sich auch in den jüngsten Quartalszahlen wieder, wobei das über die Wirecard-Zahlungsplattform abgewickelte Transaktionsvolumen sich um 55,7 % auf 26,7 Mrd. Euro erhöhte. Vielversprechend und zukunftsweisend war der 111,8%ige Anstieg beim Transaktionsvolumen außerhalb Europas, was auf die steigende Popularität bargeldloser Transaktionen hindeutet. Daher dürfte Wirecard auch weiterhin einer rosigen Zukunft entgegenschauen und mit dem Trend rund um den digitalen Zahlungsverkehr organisch wachsen.

Temenos Group ist ein international führender Anbieter von Softwaresystemen für Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen und in einem lukrativen und hochmargigen Segment eines aufkommenden Trends rund um die Digitalisierung im Finanzwesen positioniert. Als Wachstumstreiber fungiert die Tatsache, dass viele Finanzinstitute einen enormen Nachholbedarf im Bereich IT verspüren und Temenos in dieser Hinsicht mit hochspezialisierten Produkten punkten kann. So stellte man Anfang Juni mit Temenos Front Office Suite eine Lösung vor, die das volle Potenzial digitaler Dienstleistungen für Bankkunden im Retail-, Corporate- und Wealth-Segment ausschöpft. Es ist eine offene Omnichannel-Lösung, womit Finanzinstitute ihren Kunden digitale und personalisierte Banking-Optionen schnell und kosteneffizient anbieten können, was sich entsprechend positiv auf die Kundenzufriedenheit und folglich die Kundenloyalität auswirkt. Für die hohe Expertise von Temenos spricht auch, dass etwa 41 der Top-50-Finanz-Institutionen auf seine Produkte vertrauen. Damit fungiert der Konzern als zuverlässiger Partner der Finanzwelt auf dem Weg des anhaltenden Digitalisierungsprozesses.

Etwas spezifischer ist dagegen der schweizerische Konzern Kardex. Das Unternehmen ist ein global tätiger Anbieter von Produkten und Dienstleistungen im Segment Logistik und gilt als führender Anbieter von automatisierten Lagerlösungen und Materialflusssystemen. Damit positioniert sich das Unternehmen als Industrie-Partner für Intralogistik-Lösungen. Die umfangreiche Produktpalette beinhaltet bspw. Regalbediengeräte, Geräte der Fördertechnik, automatische Verschieberegalanlagen und Hubbalkenlager für Paletten wie auch modulare Materialflussrechner. Damit ist der Konzern durchaus erfolgreich in einem wachsenden Markt positioniert, dessen Bedeutung mit der stärkeren Automation der Warenlogistik zunehmen dürfte. Katalysiert wird diese Entwicklung im Weiten Sinne durch die Globalisierung der Handelsbeziehungen und natürlich dem E-Commerce-Trend, bei dem Drop-Shipping in automatisierte Lager immer mehr an Bedeutung gewinnt. Daher steigt die Nachfrage nach Systemlösungen. Dieser Umstand spiegelte sich bereits in den jüngsten H1-Zahlen wieder. Trotz vermehrter Engpässe in der Supply-Chain, die zu einer verlängerten Auftragsabwicklung führten, beschleunigte sich die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens. Daher hat Kardex Remstar (die Sparte rund um die Herstellung, dem weltweiten Vertrieb, der Montage und der Wartung von dynamischen Lager-, Bereitstellungs- und Distributionssystemen) damit begonnen, gezielt Investitionen zur Erhöhung der Kapazitäten zu tätigen, um der dynamisch wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Damit scheint die Wachstumsstory weiter zu gehen.

Sehr speziell ist hingegen die Positionierung des schwedischen Konzerns Swedish Match, dessen Aktie seit 2001 unbemerkt immer weiter Richtung Norden zieht. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt unterschiedliche Tabak-Marken aber auch Zigarren und Kautabak. Gleichzeitig bietet man mit Feuerzeugen und Streichhölzern das passende Equipment an. Als Wachstumstreiber fungieren steigende Konsumausgaben. Hinzu kommt die positive Tendenz hin zu Schnupf- und Kautabak, die durch zahlreiche Rauchverbote an öffentlichen Plätzen ausgelöst wurde und nachfragesteigernd wirkt. Insgesamt gehört die Aktie zu den defensiveren Werten. Im vergangenen 2. Quartal wuchs der Umsatz bei Swedish Match um 9 % auf 3,36 Mrd. SEK. Die operative Marge verbesserte sich von 37,9 % auf 39,9 %. Unter dem Strich legte der Nettogewinn um 14 % auf 928 Mio. SEK zu. Als Wachstumstreiber erwies sich die starke Nachfrage rund um Snus und Schnupftabak. Dort verdiente man mit 45,8 % die mit Abstand höchste operative Marge. Der Nachfrageboom befeuert die Profitabilität auf der Konzernebene, was die Aktie auf neue Hochs bringt.

Schließlich ist es die Aktie des schwedischen Konzerns Biotage, die sich seit 2015 wie an der Schnur gezogen auf neue Allzeithochs vorarbeitet. Das Unternehmen entwickelt und produziert Lösungen und Instrumente für Tätigkeitsbereiche der analytischen und medizinischen Chemie. Hierzu gehören bspw. Produkte und Zubehör für organische Synthese, Chromatographie, Purifikation, sowie spezifische Laborausstattung. Damit positioniert sich Biotage als ein wichtiger Technologielieferant für Unternehmen aus der Medizin- bzw. Pharmaindustrie, die bei ihrer Arbeit auf hochwertige Ausrüstung angewiesen sind. Im Wesentlichen hat das Unternehmen es tatsächlich geschafft, eine lukrative Nische zu finden und sich in dieser entsprechend profitabel zu positionieren. Hinzu kommt der positive Umstand, dass die gesamte Biotech-Branche sich aktuell im Aufschwung befindet, wovon auch Biotage als Technologielieferant profitieren kann. Katalysiert wird diese Entwicklung von den neuen Forschungsmethoden wie z. B. CRISPR, wobei hochspezialisiertes Equipment benötigt wird.  

Fundamental betrachtet ist der Konzern solide aufgestellt und operiert aktuell mit einer Nettogewinnmarge von fast 20 % bei einer Eigenkapitalrentabilität von 27,38 %. In der vergangenen 2. Quartalsperiode gelang es der Gesellschaft, mit einem 20,3%igen Sales-Wachstum auf 236,1 Mio. SEK aufzuwarten. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 34 % auf 50 Mio. SEK. Dabei gelingt es der Gesellschaft mit zahlreichen Tochtergesellschaften ihre Position auf den Märkten in Asien und Indien weiter auszubauen. Für 2018 rechnet der Konsens mit einem EPS von 2,40 SEK, wobei 2019 schon 2,89 SEK je Aktie bei einer entsprechenden Umsatzsteigerung auf 870 Mio. SEK bzw. 947 Mio. SEK erwartet werden. Die Umsatzmarke von 1 Mrd. SEK soll 2020 bei einem EPS von 3,12 SEK je Aktie geknackt werden.  

Abschließend lässt sich anmerken, dass der Universum von trendstabilen europäischen Aktien wirklich groß ist und in Sachen Zukunftstrends wirklich keine Wünsche offenlässt. Ob Gaming (Ubisoft, LogiTech und CD Project RED), Fischzucht (Marine Harvest, Salmar und Leroy Seafood), Luxuskonsumgüter (Kering, LVMH, Remy Cointreau) oder Elektromobilität (Tomra und Umicore), hier dürfte für jeden etwas Passendes dabei sein. Und angesichts einer nachhaltigen und weitestgehend kontinuierlichen Wachstumsperformance lohnt sich der Blick über den Tellerrand umso mehr!

Viel Erfolg und seien Sie profitabel!

 

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