Kapitalismus: Gut oder böse? (Kolumne aus "aktien")


15.12.2015

Kapitalismus: Gut oder böse?
Kolumne aus dem "aktien" Magazin

Liebe Leser,
 
wenn ich einige Stunden freie Zeit zur Verfügung habe, lese ich gerne. Meist irgendwelche Fachliteratur. Ich stöbere dann unter den vielen eBooks und entscheide mich kurzentschlossen für ein interessantes Thema. Neulich bin ich im App-Store bei der der „GEO EPOCHE“ App hängen geblieben und habe mir gleich das Special über den „Kapitalismus“ runtergeladen. Als Volkswirt, der während des Studiums den Kapitalismus immer unter einer wissenschaftlichen Brille studierte, interessierte mich eine populärwissenschaftliche Aufarbeitung.
 
Doch gleich einer der ersten Sätze im Editorial machte mich traurig. Ich möchte diesen Absatz hier gerne zitieren und dann diskutieren.
 
„Der Kapitalismus beruht auf zwei der stärksten menschlichen Emotionen - Gier und Angst. Die Gier befeuert das Streben nach Gewinn. Weil aber die hohen Profite des einen Markteilnehmerns andere anlocken, entsteht Wettbewerb. Und im Konkurrenzkampf kann nur überleben, wer seine Ressourcen ökonomisch einsetzt, innovativ und einfalls reich ist. Wer hingegen zu teuer produziert oder an der Nachfrage vorbei, wird verdrängt.“
 
Der Chefredakteur Michael Schaper bemüht sich hier gar nicht erst um eine nüchterne Analyse, sondern trifft sofort eine persönliche Bewertung. Für Schaper ist die treibende Kraft des Unternehmertums die Gier. All die großartigen Unternehmen, die uns Bürgern mit ihren Produkten das Leben erheitern und erleichtern, haben nach Vorstellung von Schaper die Gier als Ursache.
 
Jeder Fußballspieler, der von klein auf für seinen Traum trainiert, Profi-Fußballer zu werden, wären nach Schapers Definition getrieben von der Gier. Genauso wie der Filmregisseur, der ein Meisterwerk auf die Leinwand zaubern will und dessen Gedanken einzig und allein um das nächste Drehbuch kreisen. Vermutlich würde der Film „The Social Network“ unter Michael Schaper auch komplett anders aussehen. Marc Zuckerberg würde Facebook auf einmal nicht mehr gründen, um hübsche Studentinnen kennenzulernen, sondern der Dollarscheine wegen.
 
Ich möchte die Kapitalismus-Definition von Schaper folgendermaßen umändern:
 
„Der Kapitalismus beruht auf einem politischen System, das Privateigentum erlaubt und den Menschen dadurch die kreative Selbstenfaltung ermöglicht. Das Recht auf Eigentum geht einher mit einem tiefen Verantwortungsbewusstsein für die selbst erschaffenen Strukturen und dem Beschützerinstinkt, diese Strukturen gegen äußere Angriffe zu erhalten.“
 
Mit dem Kapitalismus verbinden die Menschen eine Hassliebe. Insgeheim verstehen die meisten Menschen, dass ihre Arbeitsplätze von gut funktionierenden Unternehmen abhängig sind. Gleichzeitig wollen viele Arbeitnehmer jeglichen unternehmerischen Leistungsdruck aus ihrer täglichen Arbeit verbannen und die Politik würde am liebesten in allle Unternehmensprozesse eingreifen, um das Geld nach sujektiven Gerechtigkeitsvorstellungen umzuverteilen. Nahles und Schwesig lassen grüßen.

Viele Grüße
Ihr Simon Betschinger


 

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