Nicolas Darvas: Das Wall Street Casino

Die Darvas-Strategie geht auf den ungarischen Tänzer Nicolas Darvas zurück, der seine Erfolgsgeschichte in zwei Büchern niederschrieb. Sein Handelsansatz basiert auf einer Trendfolgestrategie. In seinem 1960 erschienenen Bestseller "How I Made 2,000,000 In The Stock Market" beschreibt der Ungar in sehr unterhaltsamer Schreibweise wie er mit wenig Zeitaufwand während seiner Tanz-Karriere über 2.000.0000 US-Dollar verdiente. Die Bücher von Nicolas Darvas liegen mittlerweile als deutsche Übersetzung vor.

Es gibt mehrere Gründe warum sich die Darvas-Strategie so großer Beliebtheit erfreut. Erstens verbirgt sich dahinter ein durchdachtes und logisches Konzept der Aktienauswahl. Zweitens war Nicolas Darvas ein sehr begabter Autor, der auf packende Art und Weise seine Vorgehensweise an der Wall Street beschrieb. Und drittens taugt Darvas als Vorbild für berufstätige Börsianer, die ebenfalls systematisch an der Börse Geld verdienen wollen. Darvas war professioneller Tänzer und ständig auf Tourne. Seine Börsengeschäfte tätigte er in den wenigen Stunden Freizeit, die ihm nach einem anstregenden Tag zur Verfügung standen.

a) Charttechnische Kriterien

Nicolas Darvas setzte auf Aktien, die nahe ihrem Allzeit- oder Mehrjahreshoch notierten. Sei Credo lautete "kaufe teuer, verkaufe teurer". Dahinter steckt die Philosophie, dass sich Aktien in Trends bewegen. Wenn eine Aktie auf Allzeithoch notiert, muss dahinter ein fundamentaler Grund stecken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser fundamentale Grund, die Aktie auch noch in einigen Wochen oder Monaten positiv beflügelt. Warum also sollte der Aufwärtstrend genau dann kippen, wenn Sie kaufen?

Nachdem Darvas schon vielzählige Erfahrungen mit dem Kauf von Trendaktien gesammelt hatte, entwickelte er ein weiteres Kriterium, um seine Aktienauswahl zu verfeinern. Darvas stellte fest, dass Aktien oft noch einmal nach unten abtauchten bevor sie dann richtig nach oben durchstarteten. Dieses Verhalten ist mit dem eines Tänzers vergleichbar. Bevor ein Tänzer weit in die Höhe springen kann, muss er vorher in die Knie gehen, um sich mit voller Kraft nach oben zu katapultieren. Nicolas Darvas wählte bevorzugt Aktien aus, die seit ihrem Jahrestiefstkurs bereits deutlich an Wert zugelegt hatten. Ein weiteres Kriterium, das eine Aktie attraktiv macht, waren ungewöhnliche Verhaltensweisen egal welcher Art. Das sind zum Beispiel auffällig hohe Umsatzzahlen bei einer Papier, dessen Handelsvolumen normalerweise sehr gering ist.

Ein wichtiges Element der Darvas-Strategie sind die sogenannten Darvas-Boxen. Darvas schreibt: "Bei einer Untersuchung des Aktiencharts konnte ich die Auswirkungen dieses Widerstandes in grafischer Form erkennen. Der Kurs eine Wertpapiers steigt auf ein bestimmtes Niveau. Dann, als ob er gegen eine unsichtbare Obergrenze stößt, prallt er wie ein Tennisball ab und landet auf dem Weg nach unten auf einem bestimmten Bodenniveau, prallt wieder nach oben ab, nur um wieder an den gleichen Widerstand wie zuvor zu stroßen. Ich begann zu verstehen, dass dieser Effekt eine oszillierende Bewegung innerhalb eng definierter Grenzen zur Folge hat, wie ein Gummiball, der in einem Glaskasten auf und ab springt...

Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich die gesamte Aufwärtsbewegung der entsprechenden Aktie aus Bewegungen ähnlicher Art zusammensetzte, einer Bewegung von einer Box zur nächsten. Dabei ist jede Phase in der Entwicklung dieser Aktie durch einen Zeitraum der Oszillation zwischen klar erkennbaren Grenzen gekennzeichnet, gefolgt von einem Durchbruch und einer neuen Phase des Auf-und-ab-Springens innerhalb der nächsten Box und so weiter...

Die Oszillationsbewegung, die während eines kürzeren oder längeren Zeitraums innerhalb einer jeden Box auftritt, markierte dabei eine Phase in der Entwicklung der Aktie - sozusagen eine Kräftesammeln, bevor in der Fortsetzung einer etablierten Tendenz ein neuer Angriff auf die nächste Widerstandslinie und der Vormarsch auf den nächsten Level nach oben oder nach unten unternommen wird....Im ersten Schritt musste ich ein Verfahren entwickeln, um die Grenzen meiner Boxen über jeden Zweifel hinaus bestimmen zu können, damit ich die Kursschwankungen innerhalb einer Box nicht mit dem Übergang von einer Box in die nächste darüber oder darunter liegende Box verwechselte....

Normalerweise stellte ich jedoch fest, dass sich der Anstieg meistens nur über einen begrenzten Bereich erstreckte. Nach einer Weile gingen die Kaufaufträge, durch welche der Aufwärtstrend entstanden war, zurück, die in den Kursanstieg geflossene Energie verflüchtigte sich, und der Aktie ging nach einer gewissen Zeit der Dampf aus. Dann stellte ich fest, dass der Höchstkurs eines jeden aufeinander folgenden Tages den Tageshöchstkurs des vorangegangenen Tages nicht erreichte, oder ihn zumindest nicht übertreffen konnte...

Als ich sah, dass die Aktie an drei aufeinander folgenden Tagen ihren vorangegangenen Gipfel nicht erreichen konnte, konnte man das OBERE ENDE der Box bestimmen. Die gleiche Spitze, die das Niveau des Widerstandes repräsentierte, an dem sich keine Käufer mehr fanden, wurde nun zur neuen Obergrenze, die es zu durchbrechen galt, wenn man erwartete, dass die Aktie einen neuen Kursanstieg unternehmen würde. Nachdem eine neue Obergrenze etabliert war, konnte man nun eine gewisse Reaktion der Aktie erwarten, wenn die Verkäufe einsetzten, bei denen es sich im Allgemeinen um Gewinnmitnahmen in einem bestimmten Ausmaß handelte. Um nun den BODEN der Box zu bestimmen, suchte ich nur nach dem tiefsten Kurs, zu dem die Aktie in den kommenden Tagen verkauft wurde. Der neue Boden wurde bestimmt, indem der niedrigste Kurs ermittelt wurde, auf den die Aktie fiel, den sie aber an drei aufeinander folgenden Tage nicht unterschritt.

b) Fundamentale Darvas-Kriterien

Während Nicolas Darvas anfangs verstärkt auf technische Kriterien vertraute, lernte er nach und nach auch die Bedeutung fundamentaler Aspekte zu schätzen. Er suchte Unternehmen, deren Gewinntendenz steil nach oben zeigte. Dies beschreibt er sehr schön in folgendem Abschnitt:

"Und in der Baisse? Da hatte sich das Sommerlager in ein Krankenhaus verwandelt. Die große Mehrheit der Aktien war krank, aber manche von ihen waren kränker als die Übrigen. Von dem Sturz waren beinahe alle Aktie betroffen. Es ging nun darum, abzuschätzen, wie krank sie waren und wie lange sie krank bleiben würden....

Die nun folgende Zeit verbrachte ich wie ein Wettläufer, der sich fit macht für das Rennen. Ich verfolgte Woche um Woche die Notierungen im Barron’s, während die Trendenz auf dem Aktienmarkt ständig nach unten gerichtet blieb und ich selbst keinerlei Aktien besaß. Ich versuchte, die Aktien ausfindig zu machen, die dem Absinken widerstanden. Meiner Überlegung nach mußten die Papiere, die es fertig brachten, gegen den Strom zu schwimmen, am schnellsten steigen, sobald die Strömung wechseln würde.

Nach einer Weile, als der erste Schock der Baisse vorüber war, kam meine Chance. Gewisse Aktien begannen, der rückläufigen Tendenz zu widerstehen. Sie fielen zwar noch, doch während die Mehrheit entsprechend der allgemeinen Stimmung an der Börse schnell fiel, gaben diese Aktie nur unwillig nach. Ich konnte ihr Widerstreben förmlich spüren.

Als ich die Sache genauer untersuchte, fand ich, dass es sich hierbei in der Mehrzahl um Gesellschaften handelte, deren Gewinntendenzen steil nach oben gerichtet waren. Daraus ergab sich die Schlussfolgerung, dass selbst bei einer Flaute auf dem Aktienmarkt Kapital in diese Wertpapiere floß. Dieses Kapital folgte den Gewinnerhöhungen wie ein Hund der Spur. Mit wurden durch diese Entdeckungen die Augen für eine völlig neue Perspektive geöffnet."

Später im Buch schreibt Nicolas Darvas:

"Ich glaubte, dass logischerweise das Anlagekapital - der Spur der Gewinne folgend - Kurssteigerungen in den Aktien mit den besten Gewinnkennzahlen oder besser ausgedrückt, mit den höchsten erwarteten Gewinnsteigerungen produziert. Ich stellte fest, dass bei der Aktienauswahl, wenn alle anderen Faktoren gleich sind, die Aktie mit der größten Anziehungskraft in Bezug auf tatsächliche oder vorausgesagte Gewinne mein bestes Pferd im Stall sein würde. Denn eine Menge Händler werden diese Aktie kaufen und ihre kollektive Kaufentscheidung wird den Kurs sicherlich nach oben treiben."
 

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